Antwort auf das Missverständnis über Schari´ah

Der Islam unterscheidet sich von den früheren Göttlichen Religionen. Die früheren Religionen waren in erster Linie geistige Religionen, die sich mit der Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer Allah, den Allmächtigen, beschäftigten.

Die Islamische Schari´ah ist eine verständliche, vollständige und anpassungsfähige Religion, weil sie für jede Zeit, jeden Ort und für alle Völker geeignet ist.

Darüberhinaus ist die Islamische Schari´ah sowohl eine weltliche als auch eine spirituelle Religion. Islam ist eine Religion, welche die Beziehung zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer Allah, dem Allmächtigen, regelt. Islam ist auch eine weltliche Religion, die sowohl die Beziehung zwischen dem Menschen und der Gesellschaft organisiert und regelt, als auch die zu anderen Menschen und Völkern. Der Islam ist nicht wie zum Beispiel das Judentum auf ein bestimmtes Volk und eine bestimmte Gesellschaft beschränkt. Auch ist der Islam nicht wie das Christentum, das auf Jesus u herabgesandt wurde, der offen erklärte:

"Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel."
Matthäus 15:24

Jesus u sagte auch zu seinen zwölf Jüngern, die auserwählt waren, um die zwölf jüdischen Stämme zu vertreten:

5Diese zwölf sandte Jesus, gebot ihnen und sprach: "Gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte, 6sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel."
Matthäus 10:5-6

Was den Islam angeht, so wurde er als Gnade für die Menschheit herabgesandt. Allah, der Allmächtige, sagt im Qur´an al-Karim Sura Al-Anbiya (Die Propheten) 21:107, die der Bedeutung nach folgendermaßen übersetzt werden kann:

{Und Wir entsandten dich nur aus Barmherzigkeit für alle Welten.]
Qur´an al-Karim Sura Al-Anbiya (Die Propheten) 21:107

Folglich sind die Gesetze der Schari´ah zweidimensional:

1. Eine Seite der Gesetze und Regelungen der Schari´ah regelt die Beziehung des Menschen zu seinem Schöpfer Allah, den Allmächtigen. Glauben, Religion, die verschiedenen gottesdienstlichen Handlungen und die Gesetze zum Erbrecht besitzen eine feste Basis, und niemand besitzt das Recht, etwas daran zu verändern, hinzuzufügen oder wegzulassen.

Diese Gesetze bleiben egal zu welcher Zeit, für welches Volk und an welchem Ort auch immer, unverändert. Sie sind nie irgendwelchen Veränderungen ausgesetzt. Zum Beispiel, As-Salah, das Gebet hat im Islam seine besonderen Gesetze, Rituale und Regelungen. Niemand besitzt das Recht, irgendeine der zahlreichen Prinzipien des Salah zu ändern. Ähnlich verhält es sich mit Zakat, die ebenfalls fest, immerwährend und unveränderlich ist.

Desweiteren haben die Individuen, die als Erben ihrer Eltern, Schwestern, Brüder, Onkel und anderer Verwandter in Betracht kommen, einen festen Erbbetrag, den niemand in der Islamischen Gesellschaft einschränken kann. Ähnliches gilt für andere gottesdienstliche Handlungen.

2. Die zweite Seite der Gesetze der Schari´ah regelt die Beziehung des Menschen zu seinem Nachbarn und der Gesellschaft. Darüberhinaus lenkt sie die Beziehungen des Menschen mit anderen Leuten und Ländern. Derartige Gesetze und Regeln stehen in allgemeiner Form in den Schari´ah-Gesetzen. Details wurden weggelassen, um den Bedürfnissen, die in den entwickelten Gesellschaften entstehen, gerecht werden zu können.

Solche Gesetze und Regelungen dürfen abgeändert und angepasst werden, wenn in der Gesellschaft dringender Bedarf dazu besteht. Derartige Veränderungen oder Modifikationen dürfen nur von Spezialisten oder Juristen vorgenommen werden, die alle Veränderungen und Entwicklungen in der derzeitigen Gesellschaft genau kennen. Schura, das Prinzip der Beratung ist ein Beispiel hierfür.

Das Prinzip wird allgemein im Qur´an al-Karim erwähnt, ohne Details wie Schura vonstatten gehen soll. Im Qur´an al-Karim finden sich keine spezifischen Informationen, die erklären, wie Schura in der Islamischen Gesellschaft angewendet, ausgeführt und vollendet werden sollen.

Diese Tür wurde den Islamischen Gelehrten weit offen gelassen, um in dringenden Fällen von Schura Gebrauch zu machen und damit dem öffentlichen Interesse für den Einzelnen, die Gesellschaft und die Ummah, Gemeinschaft, ohne irgendwelche Vorschriften in jedem Zeitalter und an jedem Ort zu dienen. Was zum Beispiel für eine Generation anwendbar ist, könnte für eine andere nicht anwendbar sein. Diese Art von Anpassungefähigkeit zeigt die Verständlichkeit, den internationalen Fassungsraum und Gültigkeit des Islam für alle Zeiten und Länder.